{"id":2963,"date":"2024-09-24T08:30:44","date_gmt":"2024-09-24T06:30:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.harrietgross.com\/?page_id=2963"},"modified":"2024-09-24T08:30:44","modified_gmt":"2024-09-24T06:30:44","slug":"im-chor-der-klaenge-und-strukturen-von-celeste-dittberner-in-fieldnotes","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.harrietgross.com\/?page_id=2963","title":{"rendered":"Im Chor der Kl\u00e4nge und Strukturen von Celeste Dittberner in Fieldnotes"},"content":{"rendered":"<header class=\"uk-container-small uk-flex uk-flex-column\">\n<h1 class=\"uk-margin-remove inm-page-title\">Im Chor der Kl\u00e4nge und Strukturen<\/h1>\n<h2 class=\"uk-margin-remove-top inm-h2-title\">Bericht zur Ausstellung und Performance \u00bbBeben \u2013 Choir Practice\u00ab<\/h2>\n<p class=\"uk-margin-remove\"><span class=\"datum\">23. September 2024<\/span> | <span class=\"inm-autor\"> Celeste Dittberner <\/span><\/p>\n<p class=\"uk-margin-remove inm-favoriten\">&nbsp;<\/p>\n<\/header>\n<div class=\"uk-container-expand uk-margin\">\n<div class=\"uk-cover-container inm-margin-bottom-7\">&nbsp;<\/div>\n<\/div>\n<section class=\"uk-container uk-container-xlarge\">\n<article>\n<div class=\"uk-container-expand uk-margin\">\n<div class=\"uk-cover-container inm-margin-bottom-7\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.field-notes.berlin\/sites\/default\/files\/styles\/16x9\/public\/2024-09\/Beben_ChoirPractice_4_CelesteDittberner%20Kopie.jpg?h=c4361eec&amp;itok=wKq955wM\" alt=\"Installation mit Tonmasken auf Stativen in der Ausstellung \u00bbBeben \u2013 Choir Practice\u00ab\"><\/div>\n<p>\u00a9Celeste Dittberner<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"uk-container-small inm-einleitung\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Performance \u00bbChoir Practice\u00ab untersucht im Dialog mit der Ausstellung \u00bbBeben\u00ab im Axel Obiger die Funktion des Chors von der Antike bis heute. Eine Gesichte von Gemeinschaft und Spaltung.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n<\/section>\n<section class=\"uk-container uk-container-xlarge text\">\n<div class=\"uk-container-small\">\n<p>Durch das gro\u00dfe Glasfenster des hellbeleuchteten Ausstellungsraums f\u00e4llt der Blick zuerst auf die auf Kamerastativen platzierten Gegenst\u00e4nde, die menschlichen K\u00f6pfen \u00e4hneln. Anschlie\u00dfend wandert er zu den \u00fcberdimensionalen Metallkonstruktionen, die sich an den W\u00e4nden befinden und endet schlie\u00dflich bei den lampenartigen Megaphonen, die \u00fcberall im Raum verteilt von der Decke h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Wir befinden uns vor der Ausstellung \u00bbBeben\u00ab im Axel Obiger in der Brunnenstra\u00dfe in Berlin-Mitte. Ein paar Besucher*innen stehen noch vor dem Eingang, andere haben sich bereits einen Platz auf einem der aufgestellten Klappst\u00fchle in der Galerie gesucht. Hier im Axel Obiger werden derzeit Kunst und Klang in der Ausstellung \u00bbBeben\u00ab von Harriet Gro\u00df und Stefan Roigk zu einem vielstimmigen Dialog verwebt \u2013 ganz im Sinne eines Chors, der durch verschiedene Stimmen eine Einheit formt, aber gleichzeitig auch Spannungen erzeugt. Die Werke der beiden K\u00fcnstler*innen thematisieren genau diese Wechselwirkung: Wie ein Chor aus verschiedenen Stimmen besteht, die harmonieren oder dissonant zueinanderstehen.<\/p>\n<p>Es ist Donnerstag, der 12. September 2024, 18 Uhr. Roigk und Gro\u00df haben heute Abend zwei weitere K\u00fcnstlerinnen zu einem Dialog eingeladen: Anne Brannys und Edith Kollath. Kollath pr\u00e4sentiert vor etwa 15 Personen ihre gemeinsam entwickelte Performance \u00bbChoir Practice\u00ab.&nbsp;Es werden Umschl\u00e4ge im Publikum herumgereicht, die jeweils einen Teil des Vortrags beinhalten: Das Publikum soll entscheiden, in welcher Reihenfolge die K\u00fcnstlerin ihren Vortrag h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Dieser thematisiert die Rolle des antiken Chors als vielstimmigen sozialen Erinnerer, der in der Gegenwart als Kollektiv auftritt. Die Performance und das anschlie\u00dfende Publikumsgespr\u00e4ch untersuchen, wie der Chor, der traditionell f\u00fcr Harmonie und Einheit steht, in modernen Kontexten wie Demonstrationen oder Protesten zum Symbol der Spaltung werden kann. Der Chor ruft Gemeinschaft hervor, doch er kann auch zu einem Instrument der Trennung werden. Dies zeigt sich in der heutigen Zeit besonders stark in polarisierten Gesellschaften, wo sich Gruppen gegen\u00fcberstehen, die ihre Meinungen lautstark kundtun \u2013 oft ohne auf die andere Seite zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wir erfahren, dass Stefan Roigks Werke eine vielschichtige Erkundung von Kl\u00e4ngen des Alltags sind, da er in seiner Arbeit einfache Gegenst\u00e4nde wie Strohhalme und Fruchtzwerge-Becher nutzt, um seine komplexen Klanglandschaften zu erschaffen. W\u00e4hrend des Vortrages wird seine Komposition nur ein einziges Mail angestimmt, aber anschlie\u00dfend ist noch gen\u00fcgend Zeit, um sich genauer damit auseinanderzusetzen: Die Kl\u00e4nge, die teils durch das Hineinblasen in Gewinderohre oder die Manipulation von Alltagsplastikgegenst\u00e4nden entstehen, wie Roigk beim anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch erz\u00e4hlt, formen ein Klanguniversum, das sich zwischen Rauschen, Knistern und metallischen T\u00f6nen bewegt. Besonders beeindruckend ist die Art, wie Roigk diese Kl\u00e4nge im Raum platziert: Durch die sechs Kan\u00e4le seiner Soundinstallation wird der Raum zu einem Klangk\u00f6rper, der sein Publikum umh\u00fcllt.<\/p>\n<p>Der Klang dieser allt\u00e4glichen Objekte f\u00fcgt sich zu einem vielstimmigen \u00bbChor\u00ab zusammen, der auf subtile Weise die Ger\u00e4uschkulisse unseres t\u00e4glichen Lebens reflektiert. Das Murmeln und Rauschen, das er erzeugt, erinnert an die Ger\u00e4usche einer Menschenmenge, an das Fl\u00fcstern in der N\u00e4he eines Mikrofons oder das Atmen, das zu etwas beinahe Bedrohlichem anw\u00e4chst. Diese klangliche Dichte baut sich langsam auf, entfaltet sich und verstummt dann wieder, nur um mit neuen, sch\u00e4rferen T\u00f6nen von vorne zu beginnen. An manchen Stellen erinnern die Kl\u00e4nge an Schreie oder laute Ausrufe, die wie ein Aufschrei in einem Chor klingen.<\/p>\n<p>Harriet Gro\u00df hingegen erschafft mit ihren Metallskulpturen visuelle Partituren, die komplement\u00e4r zu Roigks Klangkunst wirken. Ihre Arbeiten bestehen aus gro\u00dfformatigen, oft scharfkantigen Metallgittern, die in ihren Strukturen wie fragmentierte Ordnungssysteme anmuten. Diese Gitter stehen symbolisch f\u00fcr die gesellschaftliche Instabilit\u00e4t und Polarisierung, die das zentrale Thema der Ausstellung \u00bbBeben\u00ab&nbsp;sind. Die metallischen Formen sind statisch, und doch erzeugen sie eine Dynamik, die an ein aufgel\u00f6stes Raster erinnert \u2013 \u00e4hnlich wie das br\u00fcchige Zusammenleben in polarisierten Zeiten.&nbsp;Diese Formen und Strukturen sind nicht nur Kunstobjekte, sondern scheinen fast bedrohlich, wie Barrieren oder R\u00fcstungen. In Verbindung mit Roigks klanglichem \u00bbChor\u00ab lassen sie den Gedanken aufkommen, dass Ch\u00f6re, \u00e4hnlich wie Demonstrationen, eine gemeinsame Stimme formen k\u00f6nnen, die sowohl ein Gef\u00fchl von Gemeinschaft evoziert als auch spaltet. In heutigen Demonstrationen erleben wir oft, wie Stimmenmassen bedrohlich wirken k\u00f6nnen, insbesondere wenn sie die gesellschaftliche Polarisierung sichtbar machen.<\/p>\n<p>Teil der Performance sind die im Raum platzierten Masken von Brannys und Kollath, welche diesen Gedanken weitertragen. Handgefertigt aus Ton, erinnern sie an menschliche K\u00f6pfe, deren Gesichter jedoch leer bleiben. An der Stelle des Mundes befindet sich eine \u00d6ffnung, aus der imagin\u00e4re Schallwellen treten k\u00f6nnten \u2013 als w\u00fcrden die Masken in einen stummen, aber vielsagenden Chor einstimmen. Die acht Masken symbolisierten die achtstimmige Chorstruktur, wie man sie aus romantischen Kompositionen kenne, erfahren wir w\u00e4hrend des Vortrages. Mit Roigks Klanginstallation verbinden sie sich als deren visuelles Sprachrohr. Auch wir, das Publikum, k\u00f6nnen nun unseren Beitrag leisten: Kollath nimmt die Rolle einer Dirigentin ein und l\u00e4sst uns mehrfach den Vokal \u00bbO\u00ab anstimmen. Wir werden zu einer Einheit, nur darauf konzentriert, den Ton zu treffen, blo\u00df nicht aus der Reihe zu tanzen. Wir werden gesteuert, verschmelzen zu einem Individuum \u2013 werden zu den Masken.<\/p>\n<p>Die Ausstellung \u00bbBeben\u00ab ist damit weit mehr als eine Ansammlung k\u00fcnstlerischer Werke. Sie ist eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den Rissen in unserer gesellschaftlichen Ordnung, der Ambivalenz von Gemeinschaft und Spaltung, und der subtilen, aber kraftvollen Verbindung von Kunst, Klang und allt\u00e4glichen Materialien. Die Besucher*innen sind eingeladen, in diesen offenen Dialog einzutauchen und sich durch die Klang- und Bildwelten von Roigk und Gro\u00df herausfordern zu lassen \u2013 eine Auseinandersetzung, die uns die komplexe Mehrstimmigkeit unserer Zeit auf neue Weise h\u00f6ren und sehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ausstellung \u00bbBeben\u00ab l\u00e4uft noch bis zum 28. September 2024.<\/p>\n<\/div>\n<\/section>\n<section class=\"uk-container uk-container-xlarge text\">\n<div class=\"uk-container-small\">\n<h2 class=\"uk-margin-remove-top inm-h2-title\">\u00dcber die Autorin<\/h2>\n<p>Celeste Dittberner ist als freie Autorin im Bereich Musikjournalismus t\u00e4tig und bewegt sich auch dar\u00fcber hinaus vielseitig in der facettenreichen Kultur- und Musikszene Berlins. Musikalisch und kulturell&nbsp;breit interessiert, besucht sie regelm\u00e4\u00dfig Konzerte sowie Theater- und Opernauff\u00fchrungen und liebt es, neue Musik und K\u00fcnstler*innen zu entdecken.<\/p>\n<\/div>\n<\/section>\n<section class=\"uk-container uk-container-xlarge bild\">\n<div class=\"uk-container-small\">\n<div class=\"uk-width-1-2@s\">\n<figure><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"inm-margin-bottom-7\" src=\"https:\/\/www.field-notes.berlin\/sites\/default\/files\/styles\/16x9\/public\/2024-09\/CelesteDittberner.JPG?itok=9Cfm5ZHm\" alt=\"Die Autorin des Textes Celeste Dittberner\" width=\"117\" height=\"156\"><figcaption class=\"inm-bildnachweis\"><span class=\"caption\"> Celeste Dittberner <\/span><br \/>\n<span class=\"copyright\">\u00a9 ZvG <\/span><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Chor der Kl\u00e4nge und Strukturen Bericht zur Ausstellung und Performance \u00bbBeben \u2013 Choir Practice\u00ab 23. September 2024 | Celeste Dittberner &nbsp; &nbsp; \u00a9Celeste Dittberner &nbsp; Die Performance \u00bbChoir Practice\u00ab untersucht im Dialog mit der Ausstellung \u00bbBeben\u00ab im Axel Obiger &hellip; <a href=\"http:\/\/www.harrietgross.com\/?page_id=2963\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":23,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2963"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2963"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2963\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2965,"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2963\/revisions\/2965"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/23"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2963"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}