{"id":2745,"date":"2023-09-03T22:13:12","date_gmt":"2023-09-03T20:13:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.harrietgross.com\/?page_id=2745"},"modified":"2023-09-03T22:13:12","modified_gmt":"2023-09-03T20:13:12","slug":"etwas-unaufhoerliches-von-katrin-bettina-mueller-taz","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.harrietgross.com\/?page_id=2745","title":{"rendered":"Etwas Unaufh\u00f6rliches von Katrin Bettina M\u00fcller, TAZ"},"content":{"rendered":"<p><strong>Etwas Unaufh\u00f6rliches<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dem Klang des Regens und seiner Ausblendung der Welt folgt Harriet Gro\u00df in der Guardini Galerie mit Zeichnungen und Installationen<\/strong><\/p>\n<p>Von Katrin Bettina M\u00fcller<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zum Regen hat sich ver\u00e4ndert. Steigende Temperaturen, sinkende Grundwasserspiegel, Trockenheit als Folge \u2013 der Blick auf die Wetter-App und in den Himmel sucht nach Wolken. Die allt\u00e4gliche Wahrnehmung davon, was \u201esch\u00f6nes Wetter\u201c ist, dehnt sich allm\u00e4hlich auch auf Regentage aus.<\/p>\n<p>Ein entspanntes Verh\u00e4ltnis zum Regen als \u00e4sthetisches Ereignis wird hingegen eher selten. Seinem Klang zu lauschen auf dem Blech der Fensterbr\u00fcstung oder auf den Steinen im Hinterhof; zu beobachten, wie seine Schleier die Landschaft langsam verh\u00fcllen und wieder zum Vorschein kommen lassen; den Aufprall der Tropfen auf sandigem Grund oder dem Wasser eines Sees zuzuschauen.<\/p>\n<p>Dem Regen als \u00e4sthetisches Ereignis widmet sich die Berliner K\u00fcnstlerin <strong>Harriet Gro\u00df<\/strong> mit Zeichnungen auf Papier und im Raum in dem Werkkomplex <strong>\u201eWei\u00dfer Regen\u201c<\/strong>, der jetzt in der Guardini Galerie zu sehen ist. Erstaunlicher Weise konzentriert sie sich dabei auf die Strukturen, den Weg fallender Tropfen mit langen geraden Linien verfolgend, deren Dichte, Rhythmus und Tempo sie dabei variiert, Wellen und Risse hineinbringt. Etwas Unaufh\u00f6rliches liegt in diesen Strukturen, die den ganzen Raum der oft \u00fcbermannshohen Bl\u00e4tter einnehmen. Der Ort, wo der Regen f\u00e4llt, ob Landschaft oder Stadt, wird in den Arbeiten nicht miterz\u00e4hlt; der Regen somit zum alles beherrschenden Gegenstand in schwarz-wei\u00dfen Linien, die auch schon mal als Wald aus Stangen im Raum stehen oder aus feingliedrigen Ketten gebildet sind.<\/p>\n<p>In Lentikulardrucken verbindet sie Tuschezeichnungen von Linien, die den Regen rauschen lassen, mit Fotografien von Tropfen, die konzentrische Ringe im Sand hinterlassen. Die beiden Bildebenen sind in \u201eWei\u00dfer Regen am fr\u00fchen Morgen\u201c \u00fcbereinander gelegt und was man zu erkennen glaubt, ver\u00e4ndert sich in dieser auch Wackelbilder genannten Technik im Vor\u00fcbergehen. Das Gehen \u00fcberhaupt durch die R\u00e4ume der Ausstellung erg\u00e4nzt die vertikalen und horizontalen Kompositionen der Linien, wenn sich die St\u00e4be und Ketten im Raum vor die Tuschezeichnungen schieben. Ihre Strukturen erzeugen auch ein imagin\u00e4res akustisches Echo, man sieht und h\u00f6rt Pausen, Ver\u00e4nderungen des Rhythmus und der Dynamik. Eine Arbeit ist denn auch der Komponistin \u00c9liane Radigue, franz\u00f6sische Pionierin der Langsamkeit und der elektronischen Musik, gewidmet.<\/p>\n<p>Der Titel \u201eWei\u00dfer Regen\u201c bezieht sich auf die japanische Kultur, die in ihrer Sprache viel mehr differenzierende Begriffe f\u00fcr die verschiedenen Ausformungen von Regen hat als unsere. Wei\u00dfer Regen ist ein kurzer treibenden Regenschauer; zwei japanische Holzschnitte von regnerischen Szenen aus dem 18. und 19. Jahrhundert h\u00e4ngen in der Ausstellung als Hinweis auf den Zusammenhang.<\/p>\n<p>Der Werkkomplex \u201eWei\u00dfer Regen\u201c lebt von seiner \u00e4sthetischen Ausformung. Zur\u00fcckhaltend in Behauptungen von gesellschaftlichen Bedeutungen, zeugt diese Ausformung von Konzentration, Reduktion, dem \u00e4sthetischen Haushalten mit wenigen Elementen, der Suche nach Reichtum und Vielfalt in der Beschr\u00e4nkung. Das ist der Punkt, wo aus der \u00e4sthetischen Haltung auch ein ethisches Programm werden kann.Trotzdem haben es solche Formen der Kunst, die aus der Erkundung ihrer Mittel entstehen, schwer in einer Zeit, die leichter f\u00f6rdert und feiert, was mit Begriffen gesellschaftspolitischer Diskurse hantiert und deren Bedeutung der handwerklichen und \u00e4sthetischen Umsetzung oft vorauszugehen scheint. Dass die Guardini Galerie immer wieder auch andere Werke in den Fokus r\u00fcckt, die eher still und meditativ wirken, ist gut auch gerade in Zeiten, in denen der Wert der Kunst doch immer \u00f6fter an ihrem Erregungspotential gemessen wird.<\/p>\n<p>Guardini Galerie, Askanischer Platz 4, Mo.\u2013Fr. 13\u201318 Uhr, bis 22. Juli<\/p>\n<p>TAZ Berlin Kultur am 02.06.2022<\/p>\n<p>https:\/\/taz.de\/!5855222\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etwas Unaufh\u00f6rliches Dem Klang des Regens und seiner Ausblendung der Welt folgt Harriet Gro\u00df in der Guardini Galerie mit Zeichnungen und Installationen Von Katrin Bettina M\u00fcller Das Verh\u00e4ltnis zum Regen hat sich ver\u00e4ndert. 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