{"id":1181,"date":"2018-07-07T20:47:31","date_gmt":"2018-07-07T20:47:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.harrietgross.com\/?page_id=1181"},"modified":"2018-07-07T20:50:42","modified_gmt":"2018-07-07T20:50:42","slug":"fugen-interview-mit-hermann-oechtering","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.harrietgross.com\/?page_id=1181","title":{"rendered":"Fugen Interview mit Hermann Oechtering"},"content":{"rendered":"<p>HARRIET GRO\u00df | <strong>Fugen<\/strong> | Er\u00f6ffnung: Sa. 28. 05. 19 Uhr | Vincenz Sala Berlin|Paris<\/p>\n<p>Interview mit Hermann Oechtering von Vincenz Sala Berlin zur Ausstellung Fugen 2016<\/p>\n<p><em>Du arbeitest mit Metallfolie in Schwarz, Papier in Wei\u00df, Sicherheitsgurten, Schn\u00fcren, Tape und Glasobjekten.<\/em><br \/>\n<em>In Deinen neueren Arbeiten tauchen auch Jalousien, Holz und Metallstangen auf, mit denen Du raumbezogene Installationen entwickelst, die Gruppen und Konstellationen bilden.Du bezeichnest deine Arbeiten als Raumzeichnung was die Besch\u00e4ftigung mit Architektur zumindest nahelegt\u2026<\/em><\/p>\n<p>Reale Architektur ist nur in den seltenen F\u00e4llen mein Ausgangspunkt wie z.B. in meiner Arbeit &#8222;tokyo vocabulary&#8220;. Dort bin ich auf meinen Streifz\u00fcgen durch Tokio auf Kurokawas Kapselturm, das erste Kapselhotel, gesto\u00dfen. Dieser dem Abriss freigegebene Turm entsprach genau dem was ich suchte. einzelne autarke R\u00e4ume, fast wie Monaden die sich zu einer eigenen Sprache zusammensetzen konnten. Ihn habe ich dann bewu\u00dft f\u00fcr meine Schnurzeichnung und die Foto Cutouts verwendet. Meist allerdings entwickeln sich die R\u00e4ume ohne direkte Referenz eher als eine Collage aus der Erinnerung heraus. Sie sind wie Skizzen von fiktiven R\u00e4umen, in denen ich mich dann mit meinen Ideen bewegen kann. Der eigentliche Raum, den ich zu fassen versuche, ist nicht sichtbar, es ist die Schwelle, der \u00dcbergang oder auch der Raum Dazwischen, der der Einbildungskraft.<\/p>\n<p><em>Wie entsteht eine Arbeit, die sich am Ort orientiert?<\/em><\/p>\n<p>Wenn m\u00f6glich versuche ich mich eine Weile in den R\u00e4umen aufzuhalten, um ein Gesp\u00fcr f\u00fcr ihre Eigenheiten zu gewinnen. Jeder Raum strahlt etwas anderes aus oder trifft vielleicht auch besser eine andere Stimmung in mir. Ich habe meine Idee im Kopf und die f\u00e4ngt nun an in ein Zwiegespr\u00e4ch zu treten. Bereits bestehende Elemente aus den vorausgegangenen Bl\u00e4ttern f\u00fcgen sich ein, spitzen sich zu, fordern nach Eingriffen oder Erg\u00e4nzungen, um eine neue Gesamtstruktur der Zeichnung herauszulocken&#8230; von ruhig \u00fcber gereizt bis unf\u00e4hig, dann sicher strukturiere ich den Raum neu.<br \/>\nOft habe ich Cutouts, die einen langen Arbeitsprozess durchlaufen haben, mit eingef\u00fcgt. Sie sind zuvor entstanden, denn das Schneiden erfordert Genauigkeit und Zeit. Diese Zeit spiegelt sich dann in dem Raum wieder, den ich ja meist in einer relativ kurzen Aufbauphase f\u00fcr eine neue Konstellation nutze. In meinen neuen Arbeiten verwende ich Materialien, die noch nicht den langen Vorlauf in sich tragen. Ich m\u00f6chte das Moment des Fl\u00fcchtigen noch zuspitzen. Formulierungen, zu denen es nur unter Anspannung an diesem Ort kommen konnte und die nur f\u00fcr den Zeitraum der Ausstellung sichtbar sind. Es ist wie wenn ich einen Gedanken eines Textes verstehen will und mich von allen Seiten ann\u00e4here. Irgendwann bekomme ich ihn zu fassen, manchmal dauert es, aber diese Momente \u00e4u\u00dferster Konzentration sind mir wichtig und dann la\u00df ich wieder los und die Gedanken gleiten weiter.<\/p>\n<p><em>Die Arbeiten, die ich von dir kenne, zeichnen sich auch durch die Abwesenheit von Farbe aus.<\/em><\/p>\n<p>Ja, ich bewege mich oft zwischen den Polarit\u00e4ten: Schwarz\/Wei\u00df, Negativ\/Positiv, Linie\/Fl\u00e4che, Fl\u00e4che\/Raum Abstraktion\/Gegenst\u00e4ndlichkeit. Das was aussieht wie ein klares Bekenntnis zum Ja oder Nein, zum Sein und Nichtsein oder mathematisch zur Null und zur Eins, verstehe ich als Auff\u00e4cherung von unendlichen M\u00f6glichkeiten.Oft werde ich gefragt warum keine Farben, die doch sonst eine gro\u00dfe Rolle f\u00fcr mich spielen. Mein Leben ist unruhig, ich versuche mich zu konzentrieren, zu reduzieren und das f\u00fcr mich Wesentliche herauszuarbeiten. Die Farben kommen von selbst, eigentlich sind sie st\u00e4ndig dabei, sie entstehen f\u00fcr mich im Kopf. Ich formuliere \/ zeige meine Ideen, aber der eigentliche Vorgang der angesto\u00dfen wird, l\u00e4uft bei jedem unterschiedlich ab je nach den Erfahrungen und Erinnerungen, die man mit sich tr\u00e4gt. Da kommen die Farben ins Spiel.<\/p>\n<p><em>Gibt es Vorlagen f\u00fcr eine Wandzeichnung oder beginnst du direkt an der Wand?<\/em><\/p>\n<p>Es gibt immer Skizzen\/Textfragmente auf Papier oder in B\u00fcchern. Ebenfalls entstehen eigenst\u00e4ndige Zeichnungen zu der Idee. Manchmal durchspiele ich wie f\u00fcr diese Arbeitsgruppe der Fugen Rhythmen bis sich einige herauskristallisiert haben mit denen ich dann auf der Wand weiterarbeite. Ich folge einer Idee, einem Thema und setze auf einer anderen Ebene wieder ein. Der Rhythmus k\u00f6nnte sich endlos fortsetzen. Es bilden sich Fl\u00e4chen, die sich aus ihrer Umschreibung l\u00f6sen\u2026Eine direkte \u00dcbertragung allerdings ist immer schwierig, da der Raum anderen Einfluss auch auf die Zeichnung hat. Ich liebe die Unebenheiten die Kanten, die kleinen St\u00f6rungen auf den W\u00e4nden, \u00fcber sie lassen sich meine Skizzen werfen und sie beleben meine Ideen unterf\u00fcttern sie sozusagen. Ebenso die Schatten, die entstehen, wenn ich die Linien mit Schn\u00fcren ziehe. Die Schatten sind lange f\u00fcr mich eines der wesentlichen Dinge gewesen, der Ort an dem die Kraft der Bilder bei jedem entsteht. Jetzt \u00fcbernehmen die Metallstrings wie ich sie nenne den Schattenwurf. Dieses zu Linien gefaltete\/gedr\u00e4ngte Metall ist in sich r\u00e4umlich und f\u00e4ngt in den Raum gezogen seine Formen ein. Sie st\u00f6ren den Rhythmus, akzentuieren ihn aber auch. Die Stangen verl\u00e4ngern die Tapezeichnungen in den Raum. Sie k\u00f6nnen st\u00fctzen, sind doch auch als eigene Standpunkte lesbar je nach Blickwinkel.Sie setze ich meist zum Schlu\u00df.<\/p>\n<p><em>Der Titel deiner Ausstellung &#8222;Fugen&#8220;, mit dem r\u00fcckblickendem &#8222;F&#8220; bezieht er sich auf das besondere Kompositionsprinzip einer Fuge?<\/em><\/p>\n<p>Ich zeichne im Raum, aber die Linien sollen sich davon l\u00f6sen Reales beschreiben zu wollen. Ich gelange an unsichere Punkte die nur \u00fcber Nebenwege zu l\u00f6sen sind. Fugen bezieht sich nicht nur auf polyphone Mehrstimmigkeit, sondern sie sind auch der schmale Zwischenraum, der wichtig f\u00fcr die Bewegung einzelner Elemente im Gesamtgef\u00fcge ist. Hier wird das Ausdehnen m\u00f6glich das Atmen. Oft werden sie als Linien gelesen, doch nimmt man sie genauer in den Blick, er\u00f6ffnen sie R\u00e4ume wie poetische Wachstumsfugen in denen M\u00f6glichkeiten entstehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HARRIET GRO\u00df | Fugen | Er\u00f6ffnung: Sa. 28. 05. 19 Uhr | Vincenz Sala Berlin|Paris Interview mit Hermann Oechtering von Vincenz Sala Berlin zur Ausstellung Fugen 2016 Du arbeitest mit Metallfolie in Schwarz, Papier in Wei\u00df, Sicherheitsgurten, Schn\u00fcren, Tape und &hellip; <a href=\"http:\/\/www.harrietgross.com\/?page_id=1181\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":23,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1181"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1181"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1181\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1183,"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1181\/revisions\/1183"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/23"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.harrietgross.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1181"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}